Gottes Apotheke: Essbare Wildpflanzen im September, die deine Speisekammer füllen

Waldgarten Brienz anfangs Semptember

Der September füllt die Speisekammer – gratis, vor deiner Tür. Vier essbare Wildpflanzen im September stehen jetzt bereit: Sanddorn, Weissdorn, Beifuss und Schafgarbe. Du erfährst, wie du sie erkennst, sicher sammelst und für den Winter nutzt. Rot an der Hecke, orange am Flussufer, würzig am Wegrand.

Essbare Wildpflanzen im September: Jetzt zahlt sich aus, wer hinschaut

Während drinnen über die nächste Teuerung geredet wird, hängt draussen an der Hecke, was nichts kostet. Der Hochsommer ist vorbei, doch die Natur teilt weiter aus – reifer denn je. Essbare Wildpflanzen im September sind kein Nachklang des Sommers, sondern ein voller Erntekorb.

Letzten Monat ging es ums Einbringen und Einlagern. Im August haben wir Beeren und Früchte haltbar gemacht. Jetzt legt die Hecke nach.

Denn Beeren röten sich, Früchte werden mehlig-süss, und die Kräuter geben ihren letzten würzigen Schub. Wer hinschaut, erntet gratis, was andere teuer im Laden kaufen.

Vier Pflanzen. Alle vor deiner Haustür. Alle da, wenn du sie brauchst.

Dieser Beitrag gehört zu unserer monatlichen Serie «Gottes Apotheke». Monat für Monat findest du vier saisonale Pflanzen, gesammelt in der Rubrik Ernährungssouveränität.

Sanddorn – die orange Vitaminbombe am Flussufer

Orange Beeren des Sanddorns als Öl – essbare Wildpflanzen im September ]

An Kiesbänken und Flussufern leuchtet jetzt etwas knallorange zwischen den Zweigen: der Sanddorn. Klein, sauer, randvoll Vitamin C – und endlich reif.

Bis zu zehnmal mehr Vitamin C als eine Zitrone stecken in diesen kleinen Beeren. Als Sirup, Sorbet oder Senf werden sie zum Immunschub für den Winter. Warum also im Laden zu Vitaminpillen greifen, wenn solches Superfood am Flussufer wächst?

Ein Wort zur Ernte, denn der Sanddorn wehrt sich mit spitzen Dornen. Schneide darum ganze Zweige ab und streife die gefrorenen Beeren später ab. So sparst du dir zerstochene Finger und behältst trotzdem die volle Ausbeute.

Merke dir: Das stärkste Vitamin-C-Depot für den Winter hängt nicht im Regal, sondern am Flussufer.

Weissdorn – die Herzpflanze aus der dornigen Hecke

Rote Früchte des Weissdorns an der Hecke – essbare Wildpflanzen im September

Die dornige Hecke, an der du sonst vorbeigehst, trägt jetzt kleine rote Früchte: den Weissdorn. Reif ist er, wenn das Fruchtfleisch mehlig wird und auf leichten Druck nachgibt.

Das mehlige Fruchtfleisch ergibt Mus, Gelee oder eine feine Marmelade mit Äpfeln. Getrocknet und gemahlen liefert es sogar Streckmehl fürs Brot. So machst du aus einer unscheinbaren Hecke einen kleinen Vorrat.

Sein Kraut wird zudem seit jeher als Herzpflanze geschätzt und traditionell für Herz und Kreislauf verwendet. Das ist kein Heilversprechen, sondern altes Erfahrungswissen, das du kennen darfst. Ein Arztbesuch bleibt bei Herzbeschwerden trotzdem Pflicht.

Merke dir: Was dornig ist, schützt oft das Wertvollste – beim Weissdorn ein Herzstärker und ein Wintervorrat zugleich.

Beifuss – das vergessene Herbstgewürz am Wegrand

Beifuss am Wegrand – essbare Wildpflanzen im September

Kaum jemand kennt ihn noch, dabei steht er an fast jedem Wegrand: der Beifuss, das vergessene Herbstgewürz. Jetzt, kurz vor der Vollblüte, ist sein Aroma am kräftigsten – genau der richtige Moment, die Triebspitzen zu schneiden.

Triebspitzen und Blätter würzen Salat, Suppe und Kräutersalz. Die verholzten Stängel mit Blüten kochst du bei fetten Speisen einfach mit – der klassische Gänsebraten lässt grüssen. Denn seine Bitterstoffe bringen die Verdauung in Schwung, gerade bei schwerer Kost.

Ein wichtiger Hinweis jedoch: In der Schwangerschaft meidest du den Beifuss besser, weil er wehenfördernd wirken kann. Im Zweifel fragst du eine Fachperson.

Merke dir: Bitter würzt nicht nur, bitter hilft auch verdauen.

Schafgarbe – die Wundheilerin mit dem gefährlichen Doppelgänger

Weisse Blüten der Schafgarbe auf der Wiese – essbare Wildpflanzen im September

Diese Pflanze verdient deinen vollen Respekt. Die Schafgarbe ist eine wunderbare Heilpflanze – benannt nach Achilles, der mit ihr seine Wunden versorgte. Ihre Bitterstoffe beruhigen Magen und Darm, junge Blätter würzen Salat und Smoothie, die Blüten geben Tee oder Kräuterwein.

Doch sie hat einen tödlich giftigen Doppelgänger: den Gefleckten Schierling. Darum sammelst du sie nur, wenn du sie sicher bestimmst.

So unterscheidest du beide sicher. Der Schierling wird bis zwei Meter hoch, sein Stängel trägt viele kleine rote Flecken. Die Schafgarbe dagegen bleibt niedrig und fleckenlos, ihre Blätter sind fein gefiedert wie tausend Fäden. Und der beste Test ist der Geruch: Zerreibst du die Blätter, riecht der Schierling unangenehm nach Mäuseurin, die Schafgarbe dagegen würzig-aromatisch.

Merke dir: Bei Doldenblütlern gilt eine Regel ohne Ausnahme – was du nicht hundertprozentig erkennst, lässt du stehen.

Sicherheit wächst nicht nur an der Urne

Ernährungssicherheit – kaum ein Wort macht gerade schneller Karriere. In den Parlamenten wird darüber gestritten, in den Zeitungen darüber geschrieben. Netto produziert die Schweiz noch etwa 42 Prozent dessen, was sie isst – Stand 2024 (srf.ch), Tendenz weiter sinkend. Gut die Hälfte deiner Kalorien kommt über Grenzen, die niemand garantiert.

Das ist die grosse Zahl. Doch Sicherheit entscheidet sich nicht in der grossen Zahl, sondern in deiner Speisekammer. Wie voll ist deine gerade?

Wie du an der Urne stimmst, bleibt deine Sache. Was in deinem Keller steht, auch.

Denn während die einen über Selbstversorgungsgrade reden, stärkst du deinen. Eine Flasche Sanddornsirup. Ein Bund getrockneter Beifuss. Ein Glas mit Weissdornmus. Nichts davon fragt nach Lieferketten, Wechselkursen oder Abstimmungsresultaten.

Dafür braucht es kein zweites Leben, sondern etwa zwei Stunden pro Woche. Zwei Stunden, in denen du erkennen, ernten und einlagern lernst. Das senkt deinen Einkauf spürbar, wie wir dir im Beitrag Selbstversorgung leicht gemacht zeigen, und macht dich im ganz wörtlichen Sinn unabhängiger.

Genau deshalb sind essbare Wildpflanzen im September mehr als Küche. Sie sind Vorrat, den dir niemand streichen kann. Denn sicher isst nicht, wer am lautesten diskutiert. Sicher isst, wer selber erntet.

Ein geistlicher Impuls: Die Schöpfung macht keine Krise

Geh im September einmal bewusst an eine Hecke. Kein Mensch hat den Sanddorn gedüngt. Kein Mensch hat dem Weissdorn befohlen, jetzt rot zu werden. Und doch hängen die Zweige voll.

Während drinnen über Krisen geredet wird, tut die Schöpfung draussen unbeirrt ihr Werk: Sie treibt aus, blüht, reift. Monat für Monat, Jahr für Jahr – ohne Sitzung, ohne Beschluss.

Das ist kein Zufall, sondern eine Zusage. «Von nun an, alle Tage der Erde, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.» (1. Mose 8,22) Diesen Satz sprach Gott nach der Flut – hinein in eine Welt, die eben noch alles verloren hatte.

Merkst du den Unterschied? Sorge kreist um das, was fehlen könnte. Vorsorge sammelt das, was schon da ist. Das eine lähmt, das andere handelt.

Bei unseren Führungen im Waldgarten Brienz sehe ich es jeden Herbst: Wer anfängt, die Gaben vor der eigenen Tür zu erkennen, verliert Stück für Stück die Angst. Nicht weil die Welt sicherer würde, sondern weil er einem Schöpfer begegnet, der treuer ist als jede Lieferkette.

Fazit: Essbare Wildpflanzen im September – deine Speisekammer wartet

Der September ist grosszügig. Sanddorn, Weissdorn, Beifuss und Schafgarbe – vier Wildpflanzen, die deinen Vorrat anlegen und dich ein Stück unabhängiger machen.

Wo fängst du an? Nimm dir jede Woche eine Pflanze vor. Erkenne sie sicher – bei der Schafgarbe besonders sorgfältig –, ernte eine Handvoll und mach eine Portion haltbar. So wächst dein Vorrat, und mit ihm deine Ruhe.

Blüten des Topinambur - die Knollen als Wintervorrat

Willst du mehr? In unserer Community schaltest du drei Pflanzen-Videodokus kostenlos frei und lernst Schritt für Schritt, wie du Wildpflanzen sicher bestimmst. Und wer daraus eine Berufung machen will, findet dort die Ausbildung zum Krisen-Ernährungs-Coach.

Sicher isst, wer selber erntet. Weniger ausgeben. Besser essen. Freier leben.

Häufige Fragen zu essbaren Wildpflanzen im September

Sind essbare Wildpflanzen im September für Anfänger sicher?

Ja, mit einer wichtigen Ausnahme: der Schafgarbe. Sie hat mit dem Gefleckten Schierling einen tödlich giftigen Doppelgänger, den du sicher unterscheiden musst. Sanddorn, Weissdorn und Beifuss dagegen sind unkompliziert und kaum zu verwechseln. Im Zweifel gilt immer: Was du nicht sicher erkennst, lässt du stehen.

Wie unterscheide ich Schafgarbe vom giftigen Schierling?

An Grösse, Stängel und Geruch. Der Gefleckte Schierling wird bis zwei Meter hoch und hat viele kleine rote Flecken am Stängel. Die Schafgarbe bleibt niedrig, ist fleckenlos und riecht zerrieben würzig-aromatisch, während der Schierling unangenehm nach Mäuseurin stinkt. Bist du unsicher, sammelst du nicht.

Warum schneidet man Sanddorn als ganze Zweige?

Wegen der spitzen Dornen. Die Beeren sitzen fest und lassen sich frisch kaum abzupfen, ohne dass du dich stichst. Schneide darum ganze Zweige ab, friere sie ein und streife die gefrorenen Beeren anschliessend leicht ab. So erntest du sauber und verlierst kaum Saft.

Wo finde ich essbare Wildpflanzen im September?

Meist in Randgebieten. Sanddorn wächst an Kiesbänken und Flussufern, Weissdorn in Hecken und an Waldrändern. Beifuss und Schafgarbe stehen an Wegrändern und auf Wiesen. Sammle jedoch nur dort, wo nicht gespritzt wird und kein Strassenstaub liegt.

Wie mache ich die September-Ernte für den Winter haltbar?

Am besten durch Einkochen, Trocknen und Einlegen. Sanddorn und Weissdorn verarbeitest du zu Sirup, Gelee oder Mus, Kräuter wie Beifuss und Schafgarbe trocknest du luftig im Schatten. Sanddornbeeren lassen sich zudem hervorragend einfrieren. So hast du im Winter einen Vorrat, der jedem Stromausfall und leeren Regalen trotzt.

Nach oben scrollen