Seit zehn Tagen sollten wir mit dem Camper durch den Balkan fahren – Richtung Montenegro. Der Jimny steht in der Einfahrt. Die Hunde schauen uns fragend an. Und Reny sagt, was wir beide denken: „Irgendwie langweilig das Ganze.» Ja. Und trotzdem richtig.
Wenn Gott die Handbremse zieht – noch bevor wir mit dem Camper durch den Balkan reisen
Es gibt Momente in diesen letzten Wochen, wo wir uns ernsthaft gefragt haben: Brechen wir das Ganze ab? Ist es uns über den Kopf gewachsen? Zu viel Geld, zu viel Aufwand und zu wenig Energie.
Panik war es dennoch nicht – dafür kennen wir Gott zu gut. Aber die Fragen kamen. Immer wieder.
Und dann erinnere ich mich an eine Geschichte aus unserer Praxiszeit. Damals wurde es finanziell eng. Ich wusste nicht, wie wir weitermachen sollten. Dann meldete sich plötzlich eine Stiftung – lud uns ein, an einer Messe teilzunehmen, finanzierte die ganze Teilnahme und spendete uns noch 3000 Franken obendrauf.
Wir waren nie reich. Wir mussten immer rechnen. Aber es hat auch immer gereicht.
Das ist kein Zufall. Das ist eine Architektur, die sich durch unser ganzes Leben zieht.
800 Euro. Und ein Drittel des Alterskapitals.
Jetzt zur Wahrheit, die wir auch im Video so gesagt haben: Wir haben ein Drittel unseres Alterskapitals in dieses Projekt investiert. Suzuki Jimny, Ausbau, Ausrüstung, Dachträger, Drohne, Starlink – das alles kostet. Und wir haben für die gesamte Reise noch 800 Euro übrig.
Das klingt nach Wahnsinn. Vielleicht ist es das auch ein bisschen.
Aber es ist nicht das letzte Geld, das wir je sehen werden. Und wir leben seit Jahren bescheiden – unser Zuhause, die Mikroarche in Brienz, hat eine Wohnfläche von knapp 40 Quadratmetern. Bei anderen ist das Wohnzimmer grösser als unser ganzes Haus. Wir kennen Einfachheit. Sie ist uns nicht fremd.

Reny sieht das nüchtern:
„Wir haben nie im Überfluss gelebt. Aber es hat immer gereicht. Warum sollte das jetzt anders sein?»
Und dann ist da noch die Hoffnung – keine Erwartung, aber eine echte Hoffnung – dass Menschen, die uns auf dieser Reise begleiten und ihnen gefällt, was wir tun, uns durch eine Spende unterstützen. Jede Spende geht direkt an unseren gemeinnützigen Verein krisenfit, der diese Expedition mitträgt. Und der, das darf man ruhig wissen, bisher zu über 90 Prozent allein von unseren eigenen Spenden lebt.
Eine Katastrophe wurde verhindert
Jetzt zu dem Moment, der uns wirklich zum Innehalten gebracht hat.
Wir hatten bereits Teile des ersten Dachträgersystems für den Suzuki Jimny montiert. Dann kam das neue System – also alles wieder abmontieren. Und beim Demontieren sah ich es.
Die Reling war defekt. Unter der Abdeckung, unsichtbar von aussen, war sie gebrochen – und mit Isolierband notdürftig zusammengehalten.

Ich stand da und musste das zunächst sacken lassen.
Stell dir vor: Wir wären auf der Autobahn gewesen. Gegenwind. Das gesamte Gepäck auf dem Dach hätte sich abgehoben. Ein massiver Unfall – mit allem, was daran hängt.
Der Frust über die Wartezeit, über das doppelt bezahlte System, über die verschobene Abreise – er war in diesem Moment weg. Einfach weg. Ersetzt durch etwas, das sich anfühlt wie stille Dankbarkeit.
Die Verzögerung war nicht Pech. Sie war Schutz, damit wir mit dem Camper durch den Balkan sicher unterwegs sind.
Manchmal zieht Gott die Handbremse – nicht um uns zu bremsen, sondern um uns zu bewahren. Auch wenn wir es erst oft viel später verstehen.
Das gilt übrigens auch für den Gesundheitsbereich. In meinem eBook «Vom Sinn der Krankheit» habe ich verschiedene Beispiele aufgeführt.
Warten? Nein. Arbeiten.
Also haben wir die Wartezeit genutzt. Nicht lamentiert – sondern gearbeitet.
Das Notfallzelt
Aufgestellt, getestet und für gut befunden. Knapp ein Kilo schwer, klein verpackt. Für Sturmnächte, wenn das Dachzelt zu instabil wird. Oder für spontane Wanderungen, wo man einfach bleibt – weil der Ort es will.

Die Markise
Unter Windlast und Regen getestet. Sie steht. Das ist gut zu wissen, bevor man das beim Freistehen auf dem Balkan herausfindet.

Die Drohne
Ersten Flug gemacht. Hat funktioniert – mit einem kleinen Schönheitsfehler: Sie sollte dem Auto hinterherfolgen. Stattdessen ist sie mir nachgeflogen, das Auto ist losgefahren, und irgendwo im Wald hat sie sich still hingesetzt und gewartet, bis ich wieder auftauchte. Reny hat gelacht. Die Theorie für den autonomen Folgeflug sitzt. Die Praxis kommt noch. Unterwegs.
Das Haus
Wir wollten unsere Arche untervermieten, um die Reisekosten zu decken. Auf verschiedenen Portalen ausgeschrieben, stiess es auf grosses Interesse. Und dennoch: keine einzige Anfrage. Zum Glück – denn sonst hätten wir drei Wochen lang ein Hotelzimmer bezahlt oder im Kalten gezeltet. Vier bis fünf Grad nachts, angekündigter Starkregen. Der Mietvertrag wäre verbindlich gewesen. Kein Rückweg. Auch hier ist Frust der Dankbarkeit gewichen.

Essen finden wir überall
Wer mit uns spazieren geht, isst unterwegs. Aktuell die Lindenblätter – gerade die jungen, zarten der Sommerlinde – sind im Salat eine Entdeckung. Mild, leicht, überraschend lecker. Die älteren Blätter kann man trocknen, mahlen und als Pulver in den grünen Smoothie mischen. Auch im Winter.
Buchenblätter im Frühling – jung, frisch, fast nussig.
Manchmal kommen wir nach Hause und haben uns auf dem Spaziergang bereits satt gegessen. Nicht weil wir müssen. Sondern weil die Natur es einfach hergibt – wenn man weiss, wo man hinschaut.
Reny und ich haben den ersten Lehrpfad für essbare Wildpflanzen in der Schweiz angelegt. 400 essbare Pflanzen, gewachsen über fünf Jahre, dokumentiert, begehbar. Daraus ist die Ausbildung zum Krisen-Ernährungs-Coach entstanden.

Und genau das wollen wir auf unserer Reise mit dem Camper durch den Balkan ausprobieren: Gibt es dort dieselben essbaren Wildpflanzen wie hier? Andere? Kann man sich wirklich – zumindest teilweise – aus der Natur ernähren, wenn man es weiss?
Denn das ist gelebte Praxis – und ein echtes Experiment, das wir unterwegs auf die Probe stellen. Dazu testen wir auch noch eine neue Pflanzenapp.
Fast fertig. Fast.
Der Sommerhaarschnitt ist bereits gemacht. Aber das Navi braucht noch eine Halterung – mein altes Motorradnavi passt in keine Standardhalterung, also muss ich etwas bauen. Die Sprach-App fürs Unterwegs fehlt noch. Ausserdem müssen wir die App iOverlander noch einarbeiten – damit wir beim Wildcampen auf dem Balkan und bei Stellplätzen bei Privaten wissen, wo wir stehen können.
Und beim nochmaligen Durchgehen der Packlisten haben wir festgestellt: Es fehlt noch einiges. Aber der Platz ist weg. Also nochmals entscheiden – was kommt raus, was bleibt drin?
Diese kleinen Entscheidungen – immer wieder neu.
Reny – die Ungeduldigere von uns beiden
Reny ist ungeduldig. Das ist keine Kritik – das ist sie einfach. Das konntest du im Blog «Warum wir überhaupt losgehen» schon lesen.
„In einer Woche sollten wir wirklich unterwegs sein», sagt sie. Und dann, leiser: „Ich hoffe schwer.»
Sie trägt diese Wartezeit anders als ich. Wo ich analysiere und plane, will sie loslegen. Spüren. Erleben. Das ist ihr Antrieb – und gleichzeitig ihre grösste Herausforderung mit Long Covid im Alltag. Der Wille ist zwar da, aber der Körper diktiert das Tempo.
Aber Reny ist auch diejenige, die weiss, was trägt. Mitten in allem.
Ein Wort, das mehr wiegt als Gepäck
Am Ende unseres ersten Videos haben wir etwas getan, das uns wichtig ist und das wir auch weiterhin tun werden: Wir haben gesegnet. Im Namen des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes.
Nicht als Floskel oder frommer Abschluss. Sondern weil wir glauben, dass Worte Gewicht haben. Weil wir wissen, dass Jesus noch heute heilt. Dass ein Segen etwas bewirkt. Und dass Menschen – egal wo sie gerade stehen – Zuspruch brauchen.
Wenn du das nächste Mal dabei bist: Du bist willkommen. So wie du bist.
Nächste Woche geht es los.
Wirklich.
Das Dachzelt wird montiert, letzte Feinheiten erledigt. Und dann fahren zwei stuure Böcke autark und mit Gottvertrauen mit dem Camper durch den Balkan – mit 800 Euro, einem Jimny voller Euroboxen, zwei Hunden und einer Vision folgend Richtung Montenegro.
Wir nehmen dich mit. Ohne Lärm, ohne Fremdwerbung – nur ein Lebenszeichen, wenn unterwegs etwas gewachsen ist. Schön, dass du dabei bist.



