Wir wollten längst weg sein

Mehr als Platz hat

Es ist Dienstag. Wir wollten unsere krisenfit Auslandexpedition – unsere Heilungsreise mit Gott – am Wochenende starten. Der Jimny steht in der Einfahrt. Halb gepackt. Bereit – fast. Den Dachkorb habe ich schlicht falsch bestellt. Der richtige kommt Ende Woche. Die Reise beginnt eine Woche später als geplant. Willkommen in unserem echten Leben.

Reisevorbereitung im Mikrocamper – und warum alles länger dauert

Wer denkt, zwei Monate seien viel Zeit, hat noch nie mit Long Covid geplant. Es ist nicht so, dass wir nicht wollten. Wir wollten. Jeden Tag. Aber der Körper setzt seine eigenen Grenzen – still, unnachgiebig, manchmal mitten in einem wichtigen Gedanken. Neue Dinge lernen ist mit Long Covid eine eigene Disziplin. Man lernt etwas, schläft drüber – und am nächsten Morgen ist es weg. Als hätte man es nie gewusst.

Das Garmin-Navigationsgerät liegt seit Wochen auf dem Tisch. Es ist eigentlich nur für Wanderungen und abseits gelegene Pisten gedacht – Wege, die kein normales Navi kennt. Ich habe es noch nicht geschafft, eine einzige Route einzugeben. Was ich früher an einem Tag erledigt habe, braucht heute eine Woche.

Das ist kein Jammern – sondern die schlichte Wahrheit dieser Vorbereitung.

Der Dachkorb. Und warum das mehr ist als ein Logistikproblem.

Das Auto ist voll. Randvoll. Und trotzdem fehlt noch Platz. Ein normales Dachträgersystem reicht also nicht. Auch wenn das Gewicht auf dem Dach schon mit dem Dachzelt fast an der erlaubten Grenze von 50 Kilogramm liegt. Kein Spielraum für Kompromisse. Was aufs Dach kommt, muss sitzen. Und was ins Auto kommt, muss wirklich notwendig sein.

Wir haben Checklisten gemacht. Mehrere. Und trotzdem sitzen wir manchmal vor einem Berg Utensilien und fragen uns: Was ist wirklich entscheidend? Was muss zuhause bleiben? Das klingt einfach. Ist es nicht. Denn jedes Teil hat seinen Platz. Und jedes Gramm hat sein Gewicht. Bevor wir losfahren, werden wir das Fahrzeug noch wägen lassen – damit wir wissen, wo wir wirklich stehen. Ob wir legal unterwegs sind. Oder ob noch etwas raus muss. Was genau am Ende dabei ist – das zeigen wir in einem Video. Kiste für Kiste.

Was wir gelernt haben beim Reduzieren

Wir sind keine Camping-Neulinge. Aber Mikrocamper? Absolute Anfänger. Noch nie einen Camper gehabt, noch nie selbst ausgebaut. Das merkt man – spätestens dann, wenn die Schublade nicht passt und der Schreiner muss.

Weniger ist möglich – aber nicht einfach

Ich bin mit dem Velo von Bern nach Nizza gefahren – Zelt, Küche, alles dabei. Unsere Flitterwochen haben Reny und ich auf dem Motorrad verbracht, mit Zelt und Schlafsack. Wir wissen, wie man mit wenig auskommt. Und trotzdem: Auch im Mikrocamper findet am Ende nicht viel mehr Platz. Das überrascht immer wieder.

Deshalb haben wir konsequent umgestellt. Den Kaffekocher gegen Kaffeepulver getauscht – einfach heißes Wasser drauf, fertig, ein Gerät gespart. Lange diskutiert, ob ein kleiner Personal Blender reicht oder ob der Vitamix mit muss. Letztlich haben wir uns für den Vitamix entschieden – weil wir damit auch Suppen machen können. Solche Entscheidungen ziehen sich durch die ganze Vorbereitung.

Immer wieder abwägen. Immer wieder priorisieren. Kleider: wenig. Waschen unterwegs – auch mit dem mitgenommenen Waschsack, damit wir nicht auf Campingplätze angewiesen sind. Technik dagegen: kompromisslos dabei. Computer, Kamera, Drohne. Wir sind unterwegs erreichbar, müssen Rechnungen bezahlen können. Das lässt sich nicht wegsparen.

Wenn der Plan auf die Realität trifft

Und dann gibt es Dinge, die man nicht auf dem Papier plant – die einem erst beim Einbauen auffallen. Wir wollten ursprünglich breitere Schubladen im Innenausbau. Ging nicht – die Türe war im Weg. Also schmälere Maße, ein Schreiner, der alles nach unseren Vorgaben gebaut hat. Regale seitlich dazu. Die Verkabelung habe ich selber gemacht. Oberflächlich verlegt – ich bin kein Elektriker, aber es funktioniert.

Die Rückfahrkamera und das Dachzelt montieren – alles Dinge, bei denen ich auf fremde Hilfe angewiesen war. Mit der verletzten Schulter stemmt man kein 50-Kilo-Dachzelt.

Und dann das Fenster. Der Auszug war so nah an der Seitenwand gebaut, dass man von hinten nicht mehr herankam – nur noch durch ein Seitenfenster, das sich öffnen lässt. Also neues Fenster nötig. Diese Fenster werden nicht auf Vorrat gebaut – nur auf Bestellung, nur auf Abruf. Wir haben in Holland angefragt. Was dann kam, hätte auch anders laufen können. Jemand hatte kurz zuvor seine Bestellung storniert. Ein einziges Exemplar lag an Lager – zufällig, unbenutzt, passend. Und der Händler stand kurz vor zwei Wochen Ferien. Hätten wir das Fenster verpasst, wären wir drei Wochen später gestartet. Oder gar nicht. Ich nenne das nicht Zufall.

Das haben wir unterschätzt: nicht die großen Entscheidungen – sondern die kleinen, unzähligen Abhängigkeiten, die sich durch alles ziehen. Jede davon hätte die Reise kippen können.

Plan B. Und Plan C.

Wir reisen mit Redundanz. Als erstes kommt ein Raketenofen mit – für den Fall, dass Gas knapp wird oder einfach Kleinholz zur Hand ist. Dazu eine zweite Powerbank in Reserve. Und für den Notfall ein kleines Bodenzelt – bewusst gewählt, denn es wiegt kaum mehr als ein Kilogramm.

Außerdem dabei: Feueranzünder, die ohne Strom, Gas oder Feuerzeug funktionieren. Wer sich mit Krisenvorsorge beschäftigt – und das tun wir seit Jahren, zum Beispiel auch im eBook «Blackout» – weiß, warum solche Kleinigkeiten den Unterschied machen können.

Und dann ist da noch die Signalpistole – dazu brauchte ich einen Waffenerwerbsschein – für Notfälle und zur Bärenabwehr. Der Balkan hat Bären. Echte. Das alles ist kein Pessimismus. Es ist Freiheit. Weil man entspannter unterwegs ist, wenn man weiß, dass man notfalls einen anderen Weg hat.

Denn Plan C wäre: zu Fuss zurück in unsere Mikroarche in Brienz BE. Unser Waldgarten – 400 essbare Pflanzen, aufgebaut über fünf Jahre, so stabil, dass er sich selbst trägt. Das ist unser Rückzugsort. Unser Fundament. Und der Grund, warum wir überhaupt ruhigen Gewissens loslassen können.

Reny – Vollgas oder Stopp. Dazwischen gibt es wenig.

Reny hat ADHS. Das klingt nach einem Etikett – ist aber ein Leben zwischen zwei Polen: dem tiefen Wunsch nach Ruhe auf der einen Seite, der Unfähigkeit, stillzusitzen auf der anderen. Sie erholt sich langsamer als ich von Long Covid. Ist schneller überfordert, schneller am Rand. Und sie trägt noch ein Trauma von einer früheren Reise nach Ägypten, wo sie schwer erkrankte. Essen unterwegs ist deshalb keine Nebensache – was verträgt sie, was nicht? Als Heilpraktiker habenn wir gute Antworten gefunden. Die Unsicherheit bleibt trotzdem.

Was ich sagen kann: Meine Frau ist diejenige, die spürt, was trägt. Irgendwann mitten in diesen zwei Monaten – nach einer langen, schwierigen Diskussion – sagte sie ganz ruhig: „Ich habe mit Gott gesprochen. Es wird Widerstände geben. Aber Er ist mit uns. Es wird Lösungen geben.» Nicht als Durchhalteparole. Als innere Gewissheit.

«Wir sind zwei stuure Böcke«

Wir haben uns mehr als einmal gefragt, ob wir das wirklich schaffen. Ob wir nach drei Tagen umkehren müssen. Ob das alles zu groß ist. Reny als ehemalige Leistungssportlerin. Ich als Unternehmer. Wir sind nicht die Typen, die einfach aufgeben.

Aber wir haben uns gegenseitig auch das erlaubt: umkehren, wenn der Körper Nein sagt. Genauso, wie wir es im Onlinekurs «Selbstheilung» aufzeigen. Das ist keine Niederlage. Das ist Ehrlichkeit mit sich selbst – und vielleicht das Schwierigste, was Menschen wie wir lernen müssen.

Was im Jimny steckt

Auf so kleinem Raum haben wir erstaunlich viel untergebracht. Statt fixer Einbauten setzen wir auf Euroboxen – stapelbar, modular, beliebig austauschbar. Wie Lego. Was heute Klamotten enthält, kann morgen Proviant sein. Das gibt uns die Flexibilität, die wir unterwegs brauchen.

Glaubst du nicht? Hier der Beweis.

Energie

Zwei Powerbanks – eine davon allein für den Kompressorkühlschrank. Aufgeladen wird beim Fahren über die Autobatterie oder über ein aufklappbares Solarpanel, das beidseitig Licht aufnimmt. Dazu ein 220-Volt-Anschluss für größere Geräte.

Ernährung

Ein Kompressorkühlschrank für Frisches – läuft zuverlässig auch bei Hitze. Als Notreserve: Reis und rote Linsen. Dazu, was der lokale Markt hergibt und was die Natur unterwegs bereithält. Und das Wichtigste: Salz und Pfeffer. Der Rest findet sich.

Kochen

Gaskocher und Raketenofen. Und der Vitamix – für den morgendlichen grünen Smoothie und für Kräutersuppen abends. Darauf freue ich mich schon.

Wasser

Ein kleines Lavabo mit Drucktank (ohne Strohm). Kein fließendes Wasser aus der Leitung – aber genug, um Hände zu waschen und Gemüse zu rüsten. Dazu zwei 10-Liter-Tanks als Reserve. Mit Katadynfilter. Damit wir unabhängig bleiben – auch für den Plan C.

Wärme

Eine Infrarot-Wärmedecke mit kleinem Akku – ein Drittel des Stromverbrauchs einer normalen Heizdecke. Echt kuschelig. Dazu ein spezieller Doppelschlafsack, ausgelegt für drei Jahreszeiten. Zu warm? Einfach wenden – die andere Seite isoliert weniger. Und wenn es mild ist, dient er schlicht als Decke. Ein Teil, drei Funktionen.

Hygiene

Eine eigene Hygienekiste mit Campingdusche – damit wir nicht auf Campingplätze angewiesen sind. Dazu eine Kompost- bzw. Trenntoilette mit kompostierbaren Kotbeuteln. Klingt unromantisch. Ist aber ein Gamechanger unterwegs.

Verbindung

Starlink – bestellt, noch nicht getestet. Weil wir elektrosensibel sind, verzichten wir auf WLAN im Fahrzeug. Stattdessen ein langes LAN-Kabel – so bleibt die Verbindung stabil, ohne dass der Router dauerhaft strahlt.

Dokumentation

Drohne mit Pilotenzertifikat – extra für diese Reise gemacht. Montenegro braucht eine Einfuhrbewilligung, die wir beantragt haben. Bestätigung noch ausstehend. Und wie sieht das Büro in so einem Mikrocamper aus? Das zeigen wir dir in einem Video.

Ronja und Siro

Unsere zwei kleinen Hunde. Die kommen selbstverständlich mit. Inklusive Essen für die ganze Reise.

Zuhause ist versorgt

Die Hühner haben eine eigens gebaute Holzkisten als Futterspeicher für Wochen. Die Eier holen die Nachbarn. Die Katzen werden von einem Futterautomaten versorgt, der vier Wochen läuft. Die Fische: automatisch gefüttert. Der Waldgarten mit seinen 400 essbaren Pflanzen trägt sich nach fünf Jahren selbst. Nur ein bisschen Brombeeren zurückschneiden, wenn wir zurückkommen.

Das Experiment

Was wir in der krisenfit-Community lehren, wollen wir unterwegs selber erleben – Wildpflanzen, einfache Versorgung, Autarkie im Alltag. Eine richtige Expedition im Mikrocamper. Warum das für uns kein theoretisches Thema ist, haben wir im ersten Artikel erzählt. Wer ihn noch nicht gelesen hat: «Warum wir überhaupt losgehen: Eine Heilungsreise mit Gottvertrauen»

Und jetzt? Diese Woche.

Wir nutzen die Verzögerung. Garmin lernen. Drohne üben. Starlink testen. Und schlafen – noch einmal im weichen Bett zuhause. Mit echter Dankbarkeit dafür, dass wir das haben. Dass wir noch hier sind. Dass wir überhaupt losgehen können.

Wir starten nicht, wenn alles perfekt ist. Wir starten, wenn der neue Dachträger da ist. Und vielleicht kehren wir nach drei Tagen zurück. Das haben wir uns erlaubt. Aber wir gehen. Weil Gottvertrauen nicht bedeutet, dass alles glattläuft. Es bedeutet, dass jemand mitgeht – auch wenn es holprig wird. Nächste Woche geht es los. Wir nehmen dich mit.

Unsere krisenfit Auslandexpedition im Mikrocamper ist kein Abenteuer-Marketing. Es ist ein ehrlicher Versuch, reduziert, autark und glaubensbasiert unterwegs zu sein – und zu zeigen, was davon wirklich trägt.

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