Zerrissen – unsere Rückreise mit dem Mikrocamper

Die Rückreise mit dem Mikrocamper hätte ein ruhiger Abschluss sein können. Sie war es nicht. Was folgt, ist ehrlich. Manchmal schmerzhaft. Und am Ende doch getragen – von etwas, das grösser ist als wir.

Zecken, Smoothie und ein humpelnder Hund – der letzte Morgen in Slowenien

Der Morgen in diesem Wald war schön – aber still war er nicht. Die Autobahn nach Dubrovnik war nur einen Kilometer entfernt. Die ganze Nacht hatten wir Lastwagen und Autos gehört, wie wir im letzten Bericht bereits beschrieben hatten.

Trotzdem: Ich zog früh los, sammelte Wildpflanzen den Weg entlang bis zu einer Lichtung – für einen grünen Smoothie, der uns kräftigen sollte.

Reny machte sich daran, die Zecken abzulesen. Bei ihr selbst einige. Die beiden Hunde hatten je rund zehn Stück. Bei mir fünf, die sich bereits tief in die Haut gebohrt hatten – kaum halb so gross wie ein Stecknadelkopf, aber bereits fest verankert.

Dadurch hatte Siro eine Entzündung am Gelenk davongetragen. Er humpelte nur noch auf drei Beinen. Reny trug ihn deshalb mehrheitlich im Rucksack – was an ihren ohnehin schon angespannten Kräften weiter zehrte.

Das war der Start in einen neuen Tag auf unserer Rückreise mit dem Mikrocamper aus dem Balkan.

Stellplatz im Wald auf der Rückreise mit dem Mikrocamper

Die zerrissene Karte – und der Moment, der alles entschied

Zu gegebener Zeit fuhren weiter Richtung Kroatien. In Slunj wollten wir die berühmten Wasserfälle sehen. Wir haben sie in der Tat nicht gefunden. Im Nachhinein wären sie hundert Meter weiter gewesen.

Ich schaute auf die Karte. Kam nicht klar. Angesichts der Erschöpfung war mein Denken auf ein Minimum reduziert. Reny sah, wie das Feuer in mir langsam hochkroch – bis es eine Explosion gab. Ich riss die Karte in der Mitte durch.

Nicht aus Wut. Aus Frust. Aus totaler Überforderung.

Wir waren beide am Ende. Kaum noch Konzentration. Keine Energie mehr. Schliesslich hatten auch die Nächte mit zwei bis drei Stunden Schlaf wegen meiner Schmerzen ihren Tribut gefordert.

Die Entscheidung fiel gemeinsam, still und ohne Drama: Wir kehren um. Nach Hause zu fahren war in jedem Fall der einzige Ausweg.

Aber dann sagte Reny leise: «Ich muss das Meer noch sehen.» Und ich sagte: Okay.

Nationalpark Plitvicer Seen – ein Geschenk auf dem Rückweg

Was später folgte, hätte auf dem Hinweg sein sollen – auf dem Weg nach Montenegro. Jetzt lag es auf unserer Rückreise mit dem Mikrocamper vor uns: der Nationalpark der Plitvicer Seen.

Was glaubst du, haben wir getan? Wir entschieden spontan: Das schauen wir uns an.

Rückreise mit dem Mikrocamper – Plitvicer Seen

Der Park war jedenfalls überwältigend. Bäche von allen Seiten. Stege, die direkt über dem Wasser gebaut waren. Wir stiegen beim grossen Wasserfall ein und wanderten hoch bis zum See. Aus einer geplanten kleinen Runde wurde eine dreistündige Wanderung – der See hatte so viele Buchten. Reny trug Siro im Rucksack. Mir war der Rucksack mit ein paar Kilo wegen der Gesässschmerzen schon zu schwer.

Aber wir haben es trotzdem genossen.

Wir nahmen wahr, dass viele Menschen den Blick fürs Kleine verloren haben. Während andere nur den See im Blick hatten, entdeckten wir am Wegrand wunderbare Blumen und Kräuter, die wir bei uns nicht kennen. Wir haben sie bildlich mitgenommen.

Zufall, dass wir genau hier landeten?

Ich denke nicht.

Rückreise mit dem Mikrocamper – Tank fast leer und ein langer Tunnel

Dann, auf der Rückreise mit dem Mikrocamper Richtung Zadar, passierte das Nächste. Der Tank zeigte unter null. Das Warnlämpchen leuchtete längst. Die letzte Tankstelle war geschlossen. Und keine weitere in Sicht. Den Reservetank hatten wir aus Gewichtsgründen zu Hause gelassen.

Schliesslich landeten wir auf der Autobahn. Unverzüglich brauchten wir Benzin. Nichts.

Dann kam ein Tunnel. Fünf Kilometer lang, kein Pannenstreifen. «Oh mein Gott», sagten wir beide gleichzeitig. Aus Angst, dass wir liegenbleiben.

Wenn wir dort stehen bleiben, muss der Tunnel gesperrt werden. In der Schweiz hätte das eine Strafanzeige mit horrenden Bussen zur Folge. Wie es in Kroatien ist – wir wussten es nicht.

Endlich sahen wir das ersehnte Licht am Ende des Tunnels. Wir kamen durch.

Und danach nochmals eine Erleichterung: Es geht bergab. Wir rollten im höchsten Gang, fast ohne Motor. Darüber hinaus machte Reny Stossgebete. Plötzlich der Hinweis: Drei Kilometer bis zur Tankstelle.

Trotz trockenem Tank schafften wir es. Schliesslich haben wir 38 Liter aufgefüllt – bei einem Tank, der eigentlich nur 35 Liter fasst. So leer war er.

In der Tat eine rosse Erleichterung. Überraschenderweise wieder einmal gerettet – nicht durch unsere Planung, sondern durch etwas anderes.

Zadar - Küstenstadt auf der Rückreise mit dem Mikrocamper

Die Nachricht, die uns auf der Rückreise mit dem Mikrocamper tief traf

Dann fanden wir an der Küste den kleinen Campingplatz Igor in Seline. Familiär, ein bisschen Deutsch gesprochen, ein wunderschöner Sonnenuntergang direkt am Meer. Traumhaft. Wirklich.

Endlich kurzes Internet. Ein Mail. Ein Nachbar will – offenbar hatte er nur auf unsere Abwesenheit gewartet – die Zufahrt zu unserem Waldgarten verbarrikadieren und die anderen Nachbarn gegen uns aufwiegeln. Mitten auf der Rückreise mit dem Mikrocamper. In dem Moment, wo wir zum ersten Mal ein bisschen durchatmen konnten.

Wir liessen es sacken. Hatten keine Kraft mehr für Reaktionen. Das Meer lag vor uns.

Was uns zuhause erwartete, würde noch heftiger werden. Aber das ist eine Geschichte für den nächsten Bericht.

Brötchen, Fenchel und eine Fähre nach Krk

Am nächsten Morgen nichts mit Sammeln – wir wollten weiter. Brötchen aus der Bäckerei, um unterwegs zu essen.

An einem schönen Aussichtspunkt vor Krk fanden wir wunderbare Fenchelstauden an der Küste – geerntet, eingepackt, für später.

Auf der Höhe von Krk entschieden wir spontan: Diese Insel schauen wir uns an. Und dann gleich noch Cres.

Auf Cres fanden wir ein kleines Plateau im Nirgendwo. Blick übers Meer auf beiden Seiten. Auf der einen Seite der Sonnenuntergang, auf der anderen der Mondaufgang – kurz vor Vollmond.

Reny brutzelte etwas auf dem Gaskocher. Wilde Minze fanden wir noch – daraus wurde ein Minztee zum Abschluss.

Eine ruhige, herrliche Nacht. Wirklich erholt.

Die verlorene Kamera – zweimal!

In Cres wollten wir die Stadt besichtigen. Ich parkte auf dem offiziellen Parkplatz, legte die Kamera aufs Hinterrad des Jimnys, um die Hunde rauszunehmen.

Und vergass sie dort.

Stadt Cres - auf der Rückreise mit dem Mikrocamper aus dem Balkan

Erst später merkte ich es. Wir hasteten zurück – Fähre im Nacken, Sonne brennend. Ich raste zurück zum Auto.

Und vergass, nachzuschauen, ob die Kamera noch da war.

Einfach weggefahren. Wieder. Ich fuhr in eine Einbahnstrasse, merkte es nicht einmal sofort. Ich war wirklich nicht mehr richtig bei mir.

Zwanzig Minuten später wollten wir eine Aufnahme machen. Keine Kamera.

Wir drehten um. Suchten die ganze Strecke ab. Den Parkplatz, die Zufahrt, die Einbahnstrasse. Nichts. Die teure Profikamera war weg. Und mit ihr alle Aufnahmen der letzten drei Tage – der Nationalpark, die Inseln, alles.

Sehr schade. Aber irgendwie – nur noch ein weiterer Punkt auf der langen Liste dieser Reise.

Wir kamen zur Fähre. Dachten, wir müssten eine Stunde in der prallen Sonne warten. Doch sie fuhr drei Minuten nach unserer Ankunft los. Wir kamen direkt drauf.

Wenigstens das.

Ein Motorrad, ein Schrei – und kein Adrenalin mehr

Auf der Rückreise mit dem Mikrocamper durch Italien, am späten Nachmittag, am Fuss der Berge, geschah es.

Ich war erschöpft. Nicht müde – erschöpft. Wenn bei mir die Erschöpfung so weit geht, funktioniert kognitiv vieles nicht mehr. Konzentration, Reaktion, Wahrnehmung – alles gedämpft. Das ist auch der Grund, warum ich heute kein Motorrad mehr fahren kann.

Ich fuhr in einen Kreisverkehr mit Linksvorfahrt. Von links kam ein knallrotes Motorrad.

Ich habe es nicht gesehen.

Reny schrie.

Nur durch ihren Schrei trat ich auf die Bremse. Vollbremsung. Wir haben den Motorradfahrer knapp verfehlt.

Anders als beim Lastwagen früher schoss mir diesmal kein Adrenalin mehr durch die Adern. Nur Taubheit. Das Ziel war einzig: irgendwo zur Ruhe kommen. Keine Ahnung wo.

Durch die Vollbremsung hatte sich der Allrad automatisch eingeschaltet – und liess sich nicht mehr deaktivieren. Mehrmaliges Üben, rein und raus. Irgendwann ging es wieder.

Schliesslich beschlossen wir: kein Stellplatz mehr suchen. Nächstes Hotel.

Doch das nächste Hotel war voll. Also unverzüglich Weitersuchen. Ein Agrotourismus-Betrieb – wunderschön, fantastisches Restaurant, aber keine Übernachtung. Weiter. Über kleine Pässe hinter dem Monte Grappa. Bis wir schliesslich einen alten, verfallenden Picknickplatz fanden. Ein anderes Pärchen übernachtete dort ebenfalls. Reny zauberte trotzdem noch Brennnesselrisotto auf den Teller.

Stellplatz gefunden. Wieder versorgt. Auch wenn alles in uns leer war.

Ruhiger Stellplatz hinter dem Monte Grappa

Rückreise mit dem Mikrocamper – das Getriebe macht Probleme

Dann meldete sich hin und wieder der Jimny.

Von Zeit zu Zeit liess sich die Untersetzung nicht mehr einlegen. Irgendetwas stimmte mit dem Getriebe nicht. Der Allrad funktionierte noch – aber die Untersetzung war weg.

Heimfahrt oder Garage?

Die Garage in der Region Glarus ist zwar auf der anderen Seite der Schweiz – aber der Umweg auf der Heimfahrt war kleiner, als von zuhause aus nochmals dorthin zu reisen. Das Fahrzeug hatte noch Garantie. Mit diesem Ziel vor Augen hiess es: Erst Garage, dann nach Hause.

Die Heimreise dauerte in Wirklichkeit länger als gedacht.

Aus diesem Grund endet hier dieser Bericht. Was uns später zuhause erwartete, was noch alles auf uns zukam und was wir zusammenfassend aus dieser ganzen Reise gezogen haben – davon erzählen wir im letzten Bericht.

Du kannst dir kaum vorstellen, was da noch kommt.

Bis dahin wünschen wir dir Gottes reichen Segen – im Namen seines Sohnes Jesus Christus und mit dem Heiligen Geist. Dass du beschützt bist. Auf dass du standhaft bleibst. Und dass du die Zeichen erkennst, die dir zeigen, wohin dein Weg führt. Amen.

Begleite uns weiter auf unserer Rückreise mit dem Mikrocamper – trag dich in unsere Freundesliste ein, damit du den letzten Bericht nicht verpasst: renyundrolfunterwegs.ch/reise-mitverfolgen

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