Ziellos durch Slowenien – Lost Places, Pannen und eine zerstörte Bibel

Nach der Krise vom Vorabend ging es uns am Morgen besser. Der Entscheid war gefallen: Montenegro lassen wir los. Und so reisten wir an diesem Tag zum ersten Mal wirklich ziellos durch Slowenien – ohne Verpflichtung, ohne Zeitdruck, einfach um zu schauen, wohin es uns trägt.

Ein ruhiger Morgen nach dem Sturm

Trotz dem Beinahe-Nervenzusammenbruch des Vortags konnten wir uns etwas erholen. Die Ruhe, die frische Luft, das Schlafen mitten in der Natur halfen bei der Regeneration.

Der Sonnenaufgang war an diesem Morgen der Hammer. Eine frische Brise, Vogelgezwitscher, Natur pur – das Dachzelt mit seinen Fenstern liess uns die ganze Weite spüren. Wir befanden uns in einem Gebiet mit Bären, hatten Bärenspray und eine Signalpistole mit Knallpatrone griffbereit. Zum Glück blieb es bei der Vorsicht – eine gefährliche Begegnung gab es nicht.

Kleine Alltagsmomente gehörten dazu: den Kühlschrank vom Kondenswasser befreien, Wasser auftanken, das Dachzelt zusammenpacken. Genau diese Gelassenheit hatten wir uns gewünscht, als wir beschlossen, ziellos durch Slowenien weiterzureisen statt einem starren Plan zu folgen.

Mit dem Mikrocamper ziellos durch Slowenien

Bevor es losging, kontrollierten wir das Fahrzeug noch einmal gründlich. Nachdem wir tags zuvor mit dem ganzen Unterboden über jenen Felsen gefahren waren, von dem wir im letzten Bericht erzählt haben, wollten wir sichergehen: kein Flüssigkeitsverlust, kein sichtbarer Schaden. Alles in Ordnung. Erleichtert konnten wir weiterfahren.

Eine zerstörte Bibel – und die Frage, die uns auf der Reise ziellos durch Slowenien beschäftigte

Beim Wasserauftanken bemerkten wir es erst am Morgen: Der Verschluss der zweiten Filterflasche war defekt – wie genau das passiert war, wissen wir bis heute nicht. Ein Teil des Flascheninhalts war bereits ausgelaufen, in die Mittelkonsole des Jimnys gesickert – und hatte dabei unsere kleine, handliche Reisebibel vollständig durchnässt. Zerflattert, nicht mehr zu gebrauchen.

Zum Glück hatten wir noch eine grössere Bibel im Gepäck.

Aber der Moment liess uns innehalten. Eine, zwei, drei Pannen mag man als Zufall abtun. Doch so vieles, wie uns auf dieser Reise bereits widerfahren war, kaum. Es fühlte sich an, als hätte sich die Welt gegen uns verschworen.

Wir fragten uns ehrlich: Will uns hier etwas von dieser Reise abhalten – von der Reise, die wir eigentlich mit Gott gehen wollten?

Eine Antwort hatten wir an diesem Tag noch nicht. Die fanden wir erst Wochen später, zuhause, als wir gemeinsam über die Bücher gingen.

Eine vermeintliche Burg, eine Kastanie und essbare Wegbegleiter

Nur ein paar Kilometer nach dem Start sahen wir eine Beschilderung – und deuteten sie fälschlicherweise als Hinweis auf eine Burg. Reny war noch etwas morgenmürrisch, sie wollte eigentlich fahren, nicht schon wieder anhalten für einen Spaziergang. Aber sie liess sich überzeugen.

Es war keine Burg. Es war eine über 300 Jahre alte Kastanie – sieben bis neun Meter Umfang, über 25 Meter hoch. Von diesem einen Baum hatten sich früher ganze Dörfer ernährt. Ein Riese, der seit Jahrhunderten einfach steht. Beständig. Genau das Gegenteil von unserem ziellosen Umherziehen an diesem Tag – und trotzdem passte es gut zusammen.

Alte Kastanie dient als Grundnahrung

Diese kleine Bewegungseinheit tat nicht nur den Hunden gut. Auch unserer Laune war es zuträglich. Reny begeisterte sich zunehmend, und der morgendliche Unmut war schnell vergessen.

Und ein paar Kilometer weiter schon wieder die nächste Pause: Grotta di San Giovanni D’Antro – eine Höhle mit keltischen und Templer-Spuren. Leider war sie geschlossen, ein Filmteam drehte dort gerade eine Dokumentation. Rein kamen wir nicht, ein paar Aussenaufnahmen mussten reichen.

Auf dem Rückweg sammelten wir gleich noch essbare Wildpflanzen: Brennnessel, falsche Erdbeere, Taubnessel, jede Menge Lungenkraut – so viel davon hatten wir noch nie an einem einzigen Ort gesehen. Auch Wiesenbärenklau und Brombeeren säumten den Weg. Lungenkraut zählt übrigens nicht zur Grundausbildung unserer essbaren Wildpflanzen, da es bei uns geschützt ist – das gehört erst ins Mentoring-Programm für Fortgeschrittene, ebenso wie die Spezialitäten für den Selbstversorgergarten, die wir in der Ausbildung zum Krisen-Ernährungs-Coach vertiefen.

Ziellos durch Slowenien: Ohne Internet, mit Papierkarte

In Italien waren wir ohne Karte unterwegs gewesen – mühsam, wie wir im letzten Bericht erzählt haben. Diesmal hatten wir vorgesorgt: richtige Papierkarten, so wie früher auf unseren Bike-Touren. Kein Durchscrollen, kein Akku, der leer geht. Einfach ein guter Überblick, um die schönste und passendste Route zu planen.

Am Strassenrand ziellos durch Slowenien entdeckten wir Taglilien – wunderbar im Salat oder als essbare Deko im Smoothie.

Lost Place – ein Hobbit-Haus, das ein Bunker war

Der Tag hatte noch eine Überraschung parat. Im Nationalpark, gleich nach der Grenze zu Slowenien, stiessen wir auf etwas, das von aussen wie ein Hobbit-Haus aussah. Erst auf den zweiten Blick erkannten wir: eine riesige Bunkeranlage.

Bunker auf dem Weg ziellos durch Slowenien

Mit Stirnlampen ausgerüstet, ging es hinein. Draussen 30 Grad, drinnen geschätzte 10 Grad – ein Temperatursturz, der überraschte. Der Raum wurde immer grösser, eine ganze unterirdische Halle, versteckt unter der Erde, mit Wasserablauf und mehreren Wendeltreppen. Wir hätten uns leicht darin verlaufen können.

Ein zweiter, völlig anderer Ausgang führte uns schliesslich wieder ans Tageslicht – direkt in den Fels hineingebaut.

Es war einer dieser Momente, in denen unser ziellos durch Slowenien Reisen sich plötzlich auszahlte: Wer keinen festen Plan hat, stolpert manchmal über genau solche Lost Places.

Ziellos durch Slowenien entdeckten wir später am selben Tag noch eine weitere Ruine: Schloss Haasberg in Planina, einst Treffpunkt vieler Adliger, besonders aus Österreich – und einer der damals schönsten Barockbauten weit und breit, bis es 1944 von Partisanen niedergebrannt und nie wieder aufgebaut wurde. Auch hier liessen wir die Drohne nochmals steigen.

Schloss Haasberg auf dem Weg ziellos durch Slovenien

Es schien wirklich ein Tag der Lost Places zu sein.

Ziellos durch Slowenien mit Stellplatzsuche, Zecken und einer laute Nacht

Die Suche, die uns einholte

Obschon wir uns für diesen Tag kein konkretes Ziel vorgenommen hatten – nur die Richtung Kroatien stand fest – fühlten wir uns zunehmend getrieben, einen passenden Stellplatz zu finden. Bereits am Mittag machten wir uns deshalb auf die Suche, die Erfahrung der letzten Tage hatte uns gelehrt, früh zu starten. So ziellos durch Slowenien zu reisen, wie wir es uns vorgenommen hatten, fühlte sich plötzlich gar nicht mehr so ziellos an.

Eine vielversprechende Talfahrt über Stock und Stein führte uns nach einer Stunde genau an jenen Ort, an dem wir den Bunker entdeckten – prachtvolle Bergumgebung, ein reissender Bach. Heraus kam allerdings: ein geschützter Ort mit Campingverbot. Immerhin blieb Zeit für ein Picknick.

Eine Nacht direkt an der Autobahn

Der Rückweg kostete uns nochmals eine Stunde. Irgendwann wurde es uns mühselig, und wir bogen einfach in einen Waldweg ein, eng genug, dass nur ein Jimny dort überhaupt durchkam. Später mussten wir wenden und dafür sogar etwas Gehölz wegschneiden.

Erst in der Nacht fiel uns auf: Wir hatten unser Lager nur einen Kilometer von der Autobahn nach Dubrovnik entfernt aufgeschlagen. Die ganze Nacht waren Lastwagen und Autos zu hören.

Stellplatz mitten im Wald

Zecken am nächsten Morgen

Der Wald erwies sich aus einem weiteren Grund als ungünstig. Am nächsten Morgen hatten wir alle Zecken – Reny, die Hunde, ich selbst mit fünf kleinen, stecknadelkopfgrossen Tieren, die sich bereits in die Haut gebohrt hatten. Bei unserem Hund Siro gab es an einem Gelenk eine Entzündung – für die nächsten Tage konnte er nur noch auf drei Beinen gehen und musste mehrheitlich im Rucksack getragen werden. Das schränkte auch unsere Spaziergänge zusätzlich ein. Zum Glück, das sei vorweggenommen, ging es ihm nach wenigen Tagen wieder besser.

Diesen Wald, das haben wir uns geschworen, würden wir kein zweites Mal so wählen.

Ein Bibelvers, der alles trägt

Wochen später, zuhause, fanden wir die Antwort auf die Frage, die uns an diesem Tag mit der zerstörten Bibel beschäftigt hatte. Wir lasen gemeinsam Sprüche 14:12:

„Manchem scheint ein Weg recht, aber zuletzt bringt er ihn zum Tode.»

Wir gingen noch einmal zusammen über die Bücher – meine Frau und ich – und fragten uns, was uns all diese Pannen eigentlich sagen wollten. Und welche Konsequenzen wir daraus ziehen mussten.

Manchmal ist ziellos durch Slowenien zu reisen genau richtig. Und manchmal ist die Ziellosigkeit selbst ein Hinweis darauf, dass wir innehalten und neu hinhören müssen.

Was noch kommt

Was wir an diesem Tag noch nicht ahnten: Der nächste Tag würde uns mehr abverlangen, als wir uns vorstellen konnten.

Eine Kamera, die plötzlich spurlos verschwindet. Eine Drohne, die fast verloren geht. Und am Ende ein Entscheid, der nicht mehr zu umgehen war: «Wir müssen umkehren.» Nicht weil wir wollten. Weil es nicht mehr anders ging.

Die letzten zauberhaften Bilder, ein gefährlichen Schockmoment und wieso wir eine horrende Busse riskierten– das erfährst du im nächsten und letzten Bericht.

Sehe dir auch das berührende Video zu diesem Blog an.

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